Archiv / Presse
Maria-Montessori-Schule Ilshofen
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Fit für den ganzen Tag

Jugendbegleiter, Sozialarbeiterin und Lehrkräfte ermöglichen vielseitiges Programm

Vormittags regulärer Unterricht, dann das gemeinsame Mittagessen in der Schule, anschließend eine Stunde Hausaufgabenbetreuung und zum Abschluss eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung im Bereich Sport, Musik oder Werken. So sieht jetzt der Tagesablauf vieler Kinder und Jugendlicher am Schulzentrum Ilshofen aus.

- Claudia Kern-Kalinke -

Ilshofen. Der Antrag auf die Anerkennung als Ganztagesschule liegt bereits beim Kultusministerium. Ilshofen möchte gern als erste Schule im Kreis diesen Status erlangen und seinen Ruf als familienfreundliche Gemeinde weiter aufwerten. "Wir bekämen dann mehr Lehrerstunden dazu", erhofft sich auch Schulleiter Norbert Reinauer einen spürbaren Vorteil. Die Vorbedingung für den Ganztagsbetrieb hat das Ländliche Bildungszentrum längst erfüllt. Schon seit Jahren gibt es für die Schüler- innen und Schüler der Hermann-Merz-Schule und der Maria-Montessori-Schule einen gemeinsamen warmen Mittagstisch, für den Hannelore Wüstner und ihre Mitarbeiter- innen in einer eigenen Küche in der Schule das Essen jeweils frisch zubereiten. "Diese Versorgung war problemlos auf vier Tage in der Woche auszudehnen", erklärt Norbert Reinauer.
Ganz deutlich will er aber klarstellen: "Wir sind keine Brennpunktschule, auch Kinder aus gut funktionierenden Familien nehmen unser Ganztagesangebot gerne wahr." Er räumt aber ein, dass vor allem Spätaussiedler und Kinder, die mit ihren Familien aus dem Ausland zugezogen sind, von den Freizeitangeboten profitieren, weil sie sonst vielleicht wenig Kontakt zu Gleichaltrigen haben und in den AGs spielerisch ihre Deutschkenntnisse verbessern können. "Außerdem baut es die Grenzen zwischen den Schultypen ab", ergänzt Ruth Fleischhacker, die Rektorin der Maria-Montessori-Schule für Lernbehinderte die Liste der positiven Aspekte. Nur wenige Angebote sind schulspezifisch, die meisten AGs werden von Haupt-, Real- und Förderschülern gemeinsam belegt. "Wir wollen sechs Stunden Unterricht am Stück weitgehend verhindern, dafür haben wir jetzt die Ganztagsschule." Was aus dem Mund von Schulleiter Reinauer zunächst wie ein Widerspruch klingt, beschreibt kapp das Prinzip des Ganztagesangebots: zwei Nachmittage Pflicht, zwei Nachmittage Freizeitgestaltung unter Anleitung von Jugendbegleitern. An der Förderschule sind es drei Pflichtnach- mittage und ein freiwilliger.
Die Schule hat sich bereits zur verlässlichen Betreuung verpflichtet und muss für Vertretungen sorgen, wenn eine AG-Leitung krank wird, denn es sind schon 28 Kinder der 5. und 6. Klassen von ihren Eltern verbindlich zum Ganztagesangebot angemeldet worden. "Gerade in Familien, wo beide Elternteile berufstätig sind, ist es wichtig, dass eine durchgängige Betreuung bis 15.30 Uhr gewährleistet wird", ist sich der Schulleiter der Verantwortung bewusst.
Die Ganztagsangebote kommen von Lehrkräften und 20 bis 25 Jugendbegleitern von außerhalb der Schule. Studentinnen und Studenten sind darunter, Übungsleiter aus Sport- und Musikvereinen, Dozentinnen der Volkshochschule oder einfach Eltern, die es sich zutrauen, eine kleine Gruppe von Kinder oder Jugendlichen anzuleiten. Honorar können sie nicht erwarten, allenfalls eine kleine Aufwandsentschädigung. Auch die Haushaltsmittel für die Materialkosten sind bescheiden. 4000 Euro im Jahr gesteht der Schulträger dem Projekt zu. Trotzdem ist es möglich, kostenlosen Instrumentalunterricht, Ernährungskurse, Werken oder kunstgewerbliches Arbeiten anzubieten.
Die sinnvolle Ergänzung zu all den Freizeitangeboten bietet die Schulsozialarbeiterin Marion Beyerbach mit dem Schülercafé, persönlichkeitsstärkenden Angeboten und individuellen Gesprächen. "Was uns jetzt noch fehlt, sind mehr berufsvorbereitende Angebote für die Oberstufe", sagen Ruth Fleischhacker und Norbert Reinauer uni- sono. Um Betriebe außerhalb von Ilshofen besuchen zu können, sollten die Beteiligten möglichst mobil sein. Sehnlichster Wunsch der Schule ist deshalb ein achtsitziger Kleinbus, finanziert von wohlwollenden Sponsoren.

 

Pädagogik / Die Maria-Montessori-Schule in Ilshofen strahlt weit über Gemeindegrenzen hinaus


Hier dürfen die Kinder nach Herzenslust lernen

Die Türen der Klassenzimmer bleiben offen - 'Hilf mir, es selbst zu tun' ist das Leitwort für den Unterricht.

Kinder wollen lernen, und in der Maria-Montessori-Schule in Ilshofen dürfen sie das nach Herzenslust. Die Lehrer helfen ihnen dabei.

Die kleine Erstklässlerin hat die Zunge zwischen die Lippen gesteckt. Sie sitzt an ihrem Platz im Klassenzimmer und rechnet. Immer schwerer werden die Zahlen, aber das Mädchen hält durch. Die Konzentration lässt nicht nach. Endlich ist sie fertig. Sie steht auf, geht zu ihrer Lehrerin, die gerade mit einem ihrer Klassenkameraden lesen übt, wartet. Montessori-Lehrerin Petra Wöbcke blickt auf, prüft die Aufgaben, lobt das Kind, wendet sich wieder dem lesenden Kind zu. Die Rechnerin räumt ihr Blatt weg und geht zielsicher in eine Ecke des Raums. Dort sind Dinge aufbewahrt, die auf den ersten Blick aussehen wie Spielsachen.

'Gespielt wird damit aber nicht', meint Petra Wöbcke, denn die Grenzen zwischen Spielen und Lernen verwischen in der Montessori-Schule. Eine der Spielsachen zieht das Mädchen heraus, ein Fädelspiel. Sie setzt sich wieder an ihren Platz und fädelt. Wöbcke: 'Der Schülerin hat nach dem langen Rechnen das Handgelenk wehgetan.' Nun lockert sie ihre Finger mit dem Fädelspiel. Sie entspannt und schult ganz nebenbei ihre Feinmotorik.

Die Schule strahlt weit über ihren Sprengel hinaus. Bis aus Crailsheim oder Hall kommen Kinder. Das Schulamt genehmigt dies, 'wenn klar ist, dass die Montessori-Pädagogik einem Kind besonders gut helfen kann', erläutert Rektorin Ruth Fleischhaker.

Die Ilshofener Schule ist als Montessori-Förderschule eine der ganz wenigen in kommunaler Trägerschaft, dabei eignet sich diese Pädagogik für diesen Schulzweig ganz besonders. Dies war übrigens der Grund, warum die 'ganz normale' Ilshofener Förderschule in den 80er Jahren in eine Montessori-Schule umgewandelt wurde. Der ehemalige Rektor Wolfgang Dautel und einige seiner Lehrer hatten damals bei Prof. Hellbrügge in München die Montessori-Ideen kennen gelernt. 'Da ist der Funke gleich übergesprungen', berichtet Ruth Fleischhaker. Die Lehrer erwarben das Montessori-Diplom, und nach und nach änderte sich die Schule zu dem, was sie heute ist: Ein Schulhaus, in dem die Klassenzimmertüren offen sind, in dem es ruhig und konzentriert zugeht, in dem etwa 100 Schüler, 14 Lehrer, eine Reihe von Lehrbeauftragten und ehrenamtlichen Kräfte arbeiten, gemeinsam arbeiten, und in dem die Kinder selber lernen dürfen, was sie wollen und wie schnell sie wollen.

'Das klingt zwar nach Anarchie', gibt Rektorin Fleischhaker zu, 'das ist es aber nicht.' Die Kinder wollen ja lernen, und wenn man sie dabei unterstützt, tun sie das auch. 'Hilf mir, es selbst zu tun', das ist die Leitidee, die der Montessori-Pädagogik zugrunde liegt. 'Die Lehrer haben die Ziele und Fortschritte der Kinder immer im Blick und fördern individuell.' Ute Schäfer